Freitag, 5. September 2008

"Ich hab die beiden da auf der Strasse aufgegabelt...

...ich wollte dier hier mal abgeben!" Waehrend Pius das sagt, deutet er auf uns und schliesst sein kurzes charaktersitisches Lachen an. Uns in der deutschen Botschaft abgeben. Na gut. Wir hatten Pius auf der trasse vor seinem Haus getroffen, in dem er uns seine Frau heidi ein paar Gaestezimmer vermieten, von denen wir eines gemietet haben. Wir kamen gerade von unserer ersten Erkundung der Uni in Legon, als er uns in seinem Gelaendewagen entegegn kam und uns fragte, ob wir ihn zur deutschen Botschaft begleiten wollten, um Heidi vond er Arebit abzuholen. Wir steigen ein - neugierig, wie eine deutsche Botschaft von innen aussehe, ob wir den Schnauzermann (wie Christian den Botschafter in Anerkennung seines uppigen Bartwuchses nennt) treffen wuerden und hoffend, wir haetten nie einen ernsthaften Grund die Botschaft aufsuchen zu muessen. Den Schauzermann haben wir nicht getroffen und konnten daher nicht die Information, dass er berechtigt sei nach deutschem recht Eheschliessungen zu vollziehen, verifizieren. Dafuer aber entdeckten wir im Empfangsraum der Botschaft ein Buch ueber 250 angeblich typisch deutsche Errungenschaften, das mit bunten bildern und kurzen texten den Hamburger Hafen, die Dresdner Frauenkirche, Weisswurst, Ulrich Wickert, Steffi Graf, Vivil etc. vorstellt. Bevor wir bei der Botschaft ankommen, amcht Pius noch einige Zwischenstopps bei verschiedenen Leuten um ein paar Dinge zu klaeren. Wir betrachten interessiert fuer uns weider neue Ecken Accras und geniessen den zwar staubigen und stinkenden, aber kuehlenden Fahrtwind - so lange wir nciht im Stau stecken bleiben.
Ob in diesen permanent bis an den Rand der Hoffnungslosigkeit vollgestopften Strassen ein staatlich oder zu mindest irgendwie offiziell und zentral koordinierter oeffentlicher Personennahverkehr realisierbar waere? Bei den Massen an menschen, die befoerdert werden, scheint uns dies kaum vorstellbar: Die Busse muessten im 2-Minten-Takt fahren, sie wurden ab einer gewissen groesse niht mehr durch viele der engen Gassen passen. Ein offiziell organisiertes System waere unter dem Sicherheitsspekt bestimmt sinnvoll. Aber sonst... Fahrten waeren sicherlich teurer als sie Trotro-Fahrten. Damit sich das offizielle System also etablieren koennte, muessten die Verkehrskontrollen die Trotros aus dem verkehr ziehen (ganz offensichtlich werden sie zur Zeit nciht kontrolliert - uns es gebe einiges zu bemaengel: Manche sind in einem Zustand, dass es niemand wundern wuerde, wenn sie keine Tueren haetten). Doch dann koentten immens viele Menschen es sich nciht mehr leisten sich befoerdern zu lassen. Am Ende unseres Gedankenspiels bricht eine grose Kluft in der Gesellschaft zwischen einer mobilen und einer wirtschaftlich wie soziokulturell abgehaengten immobilen Klasse auf und ein Grossteil des alltaeglichen Lebens Accras kommt zum Erliegen.
Ob es wirklich so waere, wissen wir nicht. Aber wir sehen, dass diese Stadt an vielen Stellen so ganz anders funktioiert, als eine europaeische Stadt, so dass europaeische Loesungen sicherlich nicht immer agebracht sind. So sind theoretisch z.B. deutsche und ghanaische Strassenverkehrordnung nahezu identisch. Praktisch ist die Auslegung in Ghana jedoch...sagen wir: den Umstaenden entsprechend flexibel.
Die Leute haben keine andere Option, als dieses System der Fortbewegung. Es funktioniert, aber es ist dennoch muehsam und nervenaufreibend: Fuer kurze Strecken braucht man eine halbe Ewigkeit, Stunden am Tag verbringen die Leute damit im Stau zu stehen, zu warten, unterwegs zu sein. Ein ghanaischer Freund aus Goettingen sagt uns, dass die Regierung es verpasst haette auf das rasante Wachstum der Stadt zu reagiere und duerften die anderen landesteile nciht so verachlaessigen, so dass sich nciht alle Menschen gezwungen sehen nach Accra zu ziehen, wenn sie nicht auf dem Land fernab vieler technischer Errungenschaften versauern wollten.
Auf dem Rueckweg von der Botschaft sind wir wie erleichtert, das Gedankenexperimet einfach beenden zu koennen und freuen uns ueber das bunte Treiben auf den Strassen Accras. Wir stoppen an einer roten Ampel und sogelich zieht eine Kolonne von Frauen und Maennern zwischen den wartenden Autoreihen hindurch und es werden Wasser in PLastiktuetchen, Bananen, Waescheklammern, Zeitungen, das Putzen der Windschutzscheibe und diverse weitere Waren angeboten, die die Menschen auf ihren Koepfen transportieren. "Dabi, dabi. No, thank you, my dear!" Sagt Heidi durchs offene Fenster. Dann springt die Ampel auf Gruen, wir fahren an und 100 Meter vorwaerts, dann stehen wir im Stau. "No, thank you. I dom't need any toieltpaper at the moment!"

Dienstag, 2. September 2008

Die Welt, in der man leben moechte...

Am vergangeen Sonntag Mittag machen wir uns von Dzorwulu, wo wir wohnen, auf Richtung Kueste (Accra liegt ja direkt am Atlantik, genauer: am Golf von Guniea). An diesem Tag scheinen uns die Stadt und die Menschen wie verwandelt, dieser Ort der Hektik und Unuebersichtlichkeit, des Gedraengeld und Geschrei, ist wie ueber Nacht ein anderer geworden: Auf den Strassen kein Stau, kaum Gehupe, die Strassenraender (Gehwege gibt es zum groessten Teil ja nicht) nur wenige VerkaeuferInnen, die mit ihren Waren den Weg vollstellen, kein Gewimmel von eilenden Menschenmassen. Wir sehen stattdessen lachende Menschen gekleidet in bunten, traditionellen Stoffen, Plastikstuehle an den Strasseraendern, auf denen Menschen zur Ruhe kommen. Vor dem einen Haus versammel sich Muslime, 50 m daneben stehen Leute mit Bibeln in der Hand, Frauen mit locker sitzenden Kopftuechern schreiten durch die Gassen und kleine Gruppen von bunt gekleiodeten Maennern tragen grosse Trommeln. Riesige Boxen sind vor manchen Laeden aufgestellt, Musikkassetten leiern ihr froehliches Sindsang, ein Mann mit Besen in der Hand tanzt, eine Frau drewht sich mit einem Kind zur Musik. Wir steigen am Circle aus. Ohne, dass uns jemand latent agressiv etwas verkaufen will, ueberqueren wir den Circle und warten auf das naechste Trotro, das uns zur Kueste bringen soll. Ein Mann spricht uns an - auf deutsch. Wir quatschen eine Weile: Er hat eine kurze Zeit in Deutschland gelebt. Hat in Frankfurt und Berlin gearbeitet. Warum er nun wieder und schon nach kurzer Zeit wieder in Accra ist, mag er uns nicht erzaehlen. Er freue sich immer, wenn er Deutsche treffe, damit er deutsch sprechen kann - zu viel habe er schon wieder verlernt. Er fragt, ob wir eine deutsche Zeitschrift dabei haetten, die wir nicht mehr braechten, die wir ihm geben koennten, damit er ueben kann. Haben wir leider nicht. Aber Christian verspricht unsere alte ZEIT in den naechsten Tagen vorbeizubringen. Ja ja, das so was haben ihn zwei Deutsche scho mal versprochen - und sind nie gekommen. Christian wiederholt sein versprechen. Na gut, meint er, er sei ja sowieso jeden Tag hier, weil er hier an der Takstelle arbeite. Wenn wir wirklich mit der Zeitung kommen sollte, wuerden wir ihn hier finden [heute Morgen hat Christian die ZEIT in den Rucksack gesteckt und wenn es eine Gelegenheit auf dem Weg zum Goethe-Institut geben wird oder nach der Arbeit, wird er sie ihm bringen]. Schliesslioch gibt er uns Tipps fuer die Weiterfahrt und sett uns in das richtige Trotro. Die Frauen im Trotro motzen den "Mate" an, als er nicht gleic versteht wohin wir wollen und uns zu frueh rausschmeissen will und eine von ihnen weist uns draufhin, dass wir bloss etwas sagen sollen, wenn er auf die Idee kommen sollte uns zu wenig Wechselgeld zu geben - tut er aber nicht...das wollte bisher noch niemand. Als wir schliesslich aussteigen wollen, fragt eine andere Frau nach, ob es wirklich ok sei und wir sicher seien, dass wir unseren Weg fiden wuerden. Wir finden unseren Weg und spazieren an der Kueste entlang Richtung Westen zu einem ehemelagen Fort, das nun als Gefaengnis dient (und daher eher weniger eine Touriattraktion ist, wie im Reisefuehrer steht...) und zu einem alten Leuchturm (auch leider eher unspektakulaer aus touristischer Sicht).
Hier leben die Fischer der Stadt. Im Wasser schwimmen ihre Pirogen. Bis zum Meer hinunter kommen wir aber nicht, weil zwischen Strasse und Strand zunaechst das Gefaengnis liegt, dann eine schlammige, intensivst nach Fisch "duftende" Siedlung aus Holz- und Blechhuetten, durch deren enge Gaesschen wir uns nicht trauen und dann ein Muellberg, auf dem zerzauste Schafe und abgemagerte Hunde ihr Unwesen treiben. ...und in dem Wege- und Hausergewirr im Gebiet dahinter haben die "Strassen" keine Namen mehr auf unserem Stadtplan und vielleicht auc niemals gehabt... also drehen wir wieder um. Auf der anderen Seite der Strasse haben sich Leute zu Essen und Musik versammelt auf bunten PLastikstuehlen, Jugendliche spielen Fussball und die kleinen Kinder - etdecken uns! "How are you! How aere you! How are you!" Brabbelnd und kichernd haengen sie an unsren Haenden, laufen vor nd hinter uns, grinsen und fassn uns an. Wir gehen langsam weiter - gefolgt und umringt von der neugierigen Kinderschar. Obwohl sie permanent von alteren Kindern und Erwachsen agemotzt und verscheucht werden, folgen sie uns trotzem de gesamten Weg zurueck bis zur Inenstadt. Sie lachen und zupfen einbsschen an uns herum. Und obwohl bei ihrem Gezupfe das Kleingeld in meiner Hosentasche klimpert, interessieren sie sich nur fuer meine Haende, die sie unablaessig druecken und streicheln, sie freuen sich, wenn wir ihre Grimassen erwiedern und auf ihr "How are you", dessen Bedeutung sie scheinbar ueberhaupt nicht verstehen, in irgendeiner Form reagieren.
Wir sehen, dass dies wahrlich kein schoener Ort zum Leben ist, ahnen jeden Tag wieder, wie verdammt schwer die meisten Mneschen es hier haben und es stimmt mich traurig, wenn ich darueber nachdenke, dass es fuer kaum einen der etwa 250 Studierende, die mit mir in dem Hoersall an der Uni sitzen, einen angemessenen Job in Ghana geben wird. Und ebenso traurig, wie ich bin, bin ich auch beeindruckt, dass diese Leute, trotz dieser duesteren Aussichten, zur Uni gehen, hoffen, (noch) nicht aufgegeben haben. Und so sehr man verzweifeln kann bei dem Anblick der verseuchten Kueste und den schaebigen Huettcen, haben wir in den Augen dieser kleinen, frechen Kinder gesehen, wies ehr die Menschen hire zur Freude faehig sind.
Ich moechte nichts verklaren!
Afrikansiche Staaten sind ganz sicher nicht der Ort, an dem man (gut) leben kann. Aber wir sollten die Gruende, wegen derer die Menschen hier leben moechten nicht uebersehen! Gemeinsam sollten und muessen wir das moeglich machen!

Donnerstag, 28. August 2008

"Red-Red without meat, please!"

Zu den meisten ghanaischen Gerichten gehoert Fleisch. Oft ist es aber kein Problem, das angebotene Huehnchen, Lamm oder den Fisch freundlich abzulehnen und koestliches "red-red" ganz ohne Fleischbeilage zu geniessen. "Red-Red" sind fritierte, suesse Kochbananen und eine rote, scharfe Tomatensosse mit Bohnen und Zwiebeln. Wir sind so begeistert, dass wir fast verstehen koennen, dass es Postkarten gibt, auf denen ein Teller mit diesem Gericht darauf zu sehen ist. Ebenso haben wir das typisch ghanaische Fufu liebgewonnen: ein Brei aus Manniok und Kochbanane, der als Kloss zubereitet und meisten in einer Suppe serviert wird. Ueberhaupt werden viel Suppen und Sossen gegessen- stets recht stark geschaerft mit den zahlreichen verschiedenen Pfeffersorten.
Knollenfruechte wie Manniok, Yams, Taro und Suesskartoffeln werden in Suedghana angebaut und daher auch in den suedlichen Regionen haeufig gegessen. Im Norden gibt es mehr Mais, Hirse und Reis- sowohl auf Feldern als auch auf den Tellern. Doch sehr hauefig fuellen Importe die Toepfe und Schuesseln. Vor allem Weizen, Reis und Fleisch werden in grossen Mengen eingefuehrt und die auslaendischen Waren sorgen dafuer, dass sich auch europaeische Vorstellungen vom Aussehen eines Supermarktregales erfuellen. Im Prinzip gibt es hier fast alles zu kaufen, was es in Europa auch gibt.
Denke global, aber esse lokal! Schoen gesagt. Und getan? Griffen wir ohne viel Aufmeksamkeit auf die Etiketten ins Supermarktregal, so ist die Wahrscheinlichkeit, eine importierte Ware aus den USA, einem der EU-Staaten, Suedafrika, Thailand, Singapure oder dem Libanon zu greifen sehr viel groesser als einen in Ghana produzierten Artikel zu erwischen. Also Augen auf beim Essenskauf! Mittlerweile streichen wir eine aus Ghana stammende Schoko-Nuss-Creme auf's Brot, kochen in Ghana hergestellte Nudeln oder versuchen uns in der Fufu-Zubereitung aus fertiger Manniok-Bananenmehl-Mischung. (Achtung! Schwierig ist, das zeigt die Erfahrung unseres ersten Versuchs, den Topflappen nicht an der Flamme vom Gasherd abzufackeln...nun gut, das haette Ramona auch bei jedem anderen Gericht passieren koennen.)
Schilder, die auf einen Vor-Ort-Verkauf von lokalem Reis hinweisen, haben wir zwar entdeckt, aber die Felder in der Naehe dieser Schilder sahen nicht sehr umweltschonend behandelt aus. Reklameplakatte werben fuer die Tomatensosse "La Bianca- Made in Ghana", aber die haben wir leider noch nicht finden koennen. Fuer Obst und Gemuese haben wir inzwischen unseren Stamm-Vegetable-Shop, ein Bretterverschlag mit freundlichen Verkaeuferinnen, die nun auch gern unseren Leinenbeutel befuellen, statt uns kleine schwarze omnipraesente Plastikbeutel fuer jede Sorte anzudrehen.
Von den StrassenhaendlerInnen beziehen wir unsere fast taegliche Schokoration. Die Schokolade mit dem schoenen Namen "Kings Bite" hat laut Packungsaufschrift angeblich schon "viele internationale Preise" gewonnen. Aber uns ist ein Raetsel, wofuer das gewesen sein soll. Vielleicht fuer Bissfestigkeit oder extreme Hitzeresistenz. Oder es war der Trostpreis. Der Knaller ist sie jedenfalls nicht. Aber was tut man nicht alles fuer die lokale Sache.
Bier trinken wir wegen unserer Malaria-Prophylaxe zwar nicht, aber theoretisch gibt es vier verschiedene in Ghana gebraute Sorten. Leider wird uns auch der Genuss des Palmweins unentdeckt bleiben.
Dafuer haben wir jede Menge lokalen roten Pfeffer gekauft- schliesslich sind wir hier "wo der Pfeffer waechst".

Fotografische Impressionen

Toepfer in Kumasi

Die alte Eisenbahnlinie in Kumasi (siehe "Im Hotelzimmer")

Reisen mit dem STC-Bus (siehe "In Ghana gibt es.....")
Kumasi




Fahrradverkauf vom LKW (siehe "Take your pictures!")





Mittwoch, 27. August 2008

arm - aermer - am aermsten

Armut ist immer relativ zu betrachten: Wer ist mehr, wer ist weniger arm als jemand anderes und von Land zu Land ist man ab einem anderen Punkt arm. Wenn wir sagen, dass die Menschen in Ghana nicht die Aermsten unter den Armen sind, aber noch immer viel weniger reich, als wir in Europa - was ist damit gemient?
Eine weitlaeufige Definition von relativer Armut heisst: Arm ist, wer weniger als 50% des Durchschnittseinkommens in einem Land zur Verfuegung hat. Das ist wenig greifbar, wenn wenig Wissen ueber die Einkommensverhaeltnisse und die Preise in einem Land besteht. Ausserdem ist dies schwierig zu messen, wenn eine grosse Zahl der Menschen im sog. informellen Sektor beschaeftigt sind, d.h. keine offiziellen Daten ueber die Hoehe des Einkommens verfuegbar sind und diese auch sehr unregelmaessig sein kann.
Also ganz konkret gesprochen:
In Ghana haben 75% der Menschen weniger als 2 $ am Tag zur Verfuegung. 50% muessen sogar mit weniger als einem Dollas am Tag auskommen. Nicht so schlimm, weil in einem "armen" Land wie Ghana die Preise nciht so hoch sind? Man bekomme mehr dafuer, als wir in Deutrschland fuer diesen Betrag kaufen koennten? Weit gefehlt! Ein Laib Weizenbrot kostet derzeit 1,50 Ghana-Cedis (1 Ghana-Cedi entsprciht in etwa einem US-Dollar). Und die Preise steigen staendig, da Weizen importiert wird und alle Importprodukte in den letzten Momaten rasant teurer wurden. 1,5 Liter Mineralwasser kosten etwa 70 GP ("Cent"). Fuer einen Cedi bekommt man ein Dutzend kleiner Banenen - mehr nicht.
Das klingt nun wieder nach ziemlich grossem Elend. Und doch ist es das nciht - im Verhaeltnis zu anderen afrikanischen Staaten.
Denn immerhin haben in den Staedten 91% der Leute Zugang zu (sauberen) Leitungswasser (auf dem Land sind es etwa 64%) und die medizinische Versorgung ist nciht so desastroes, wie in manch anderen Staaten. Die (relativ) gute Ernaehrungs- und Gesundheitssituation schlaegt sich z.B. offensichtlich in der steigenden Lebenserwartung niedr.
Wer in Deutschland arm ist, dem/der fehlt auch oefter eine warme und vor allem ausgewogene Mahlzeit - und hat in Folge dessen eine geringere Lebenserwartung als die menschen gutsituierter Schichten Deutschlands. Aber wer in Deutschland arm ist, hat auf jeden Fall trinkbares Leitungswasser zu Hause und wird im Krankenhaus versorgt. So unterscheidet sich die Kindersterblichkeit zwischen den vrschiedenen Schichten in Deutschland nicht (oder zu mindest nciht erheblich). In Ghana ist sie jedoch in den aermeren Schichten signifikant hoeher, als in wohlhabenden. Wer in Ghana arm ist, fehlt viel schneller als in Deutschland das existentiell Notwendige und hat mit einer hoeheren Wahrscheinlichkeit immer noch ein bisschen mehr zum (Ueber-)Leben, als Arme in anderen afrikansichen Staaten.
So kann furs Erste Armut in Ghana anschaulich beschrieben werden.

Dienstag, 26. August 2008

Im Hotelzimmer II

Wir wussten, dass wir in eines der aermeren Laender der Welt reisen, in dem die Menschen mit Hunger, Armut und Krankheit zu kaempfen haben (dazu spaeter Konkreteres). Auch hatten wir im Reisefuehrer gelesen, dass die EinwohnerInnen dieses Landes "die freundlichsten Menschen der Welt" seien (so wie es auch in den Reisefuehern von Schottland, Mecklenburg, Suedafrika und Griechenland steht). Nach kurzer Recherche hatten wir auch erfahren, dass Ghanas Grossstaedte zwar ein Muellproblem haben, aber alles in allem der Staat aufstrebende Wirtschaft hat und die Kriminalitaet hier ziemlich niedrig ist. Hunger, Aids und Armut sind hier wesentlich weniger verbreitet als z.B. in einigen westafrikanischen Staaten und Buergerkriege kennt Ghana auch keine. So ist es Traumziel aller EntwicklungshelferInnen- nicht weil Hilfe hier am noetigsten waere, sondern weil man hier weitesgehend unbelaestigt von verhungernden Kindern und Maschinengewehren Brunnen graben kann.
Genau das alles hat aber Ghana fuer uns interessant gemacht. Es zeigt, dass es in Afrika mehr gibt als in einem dreiminuetigen Tagesschaubeitrag ueber einen Diktator passt und mehr als in den Tierbuechern Brehms und den spaeten Bildbaenden Riefenstahls zu finden ist. Wir sind nicht nach Ghana zu fahren, um das komplett "fremde" hier zu bestaunen. Wir wollen sehen, wie sich Globalisierung auswirkt. Was als unklare Vorstellung, zumindestens bei mir Christian, begann, formiert sich schon nach der ersten Woche zu klaren Fragen: Wo tauchen eigentlich die ganzen alten PC-Monitore wieder auf, die wir in Deutschland aller zwei Jahre gegen neue austauschen. Warum haben so viele Trotros hier Aufschriften wie "Heizungsbau Werner, Baden-Baden" oder "Fliesen-Harry, Berlin-Spandau"? wie geht eine scheinbar unkontyrolliert rasant wachsenden Stadt wie Accra mit ihrem Muellproblem um? Dazu und zu vielen anderen Fragen wollen wir fuer uns moegliche Antworten sammeln und als geschriebenes und fotografiertes Bild mit nach Hause bringen. Und genau dafuer muessen wir hinsehen. Wir muessen uns ueberall umschauen und nach den Monaten hier nicht nur "die weissen Straende, das schoene Hotel und die lustigen Giraffen" loben zu koennen. Doch kann dieses genaue Hinsehen schnell in Voyerismus umschlagen und um das zu verhindern, braucht es Taktgefuehl, Mitgefuehl und Feingefuehl. Jeder Ghanaer und jede Ghanaerin sieht uns sofort an, dass wir fuer ihre Massstaeben "reich" sind und das wir weder auf dem Markt noch im Trotro sein muessten, weil wir auch in Restaurants essen und Taxifahren koennten. Wir sind "fehl am Platz" und koennen es nicht verbergen. Wir fallen immer auf, wir haben einfach eine andere Hautfarbe als 99% der Menschen um uns. Sie wissen, dass wir ihr "schicksal" im Guten wie im Schlechten nicht teilen muessen. Aber wir interessieren uns dafuer und fuer die europaeisch-nordamerikanische Rolle darin, die wir durch unser Leben in Deutschland bestimmen. Ich glaube nicht daran, dass Konzerne und Regierungen in Europa per se "boese" sind aber ich glaube, dass jede/r Einzelne mit seiner Lebensweise, mit ihrer Wahlentscheidung aber vor allem mit dem entsprechendem Konsumverhalten weitreichende Verantwortung uebernehmen muss. Und wofuer, das schauen wir uns in Ghana exemplarisch an. Es gibt zu unserer Art zu reisen fuer uns keine Alternative. Das Alltagsleben der Menschen teilen zu wollen waere mit Auslandskrankenversicherung, Travellerschecks fuer den Notfall und Rueckflugticket nicht mehr als pervers inszenierter Abenteuerurlaub. Wegzusehen wuerde uns in Richtung derer ruecken, die im Urlaub ihre Hotelanlange nur fuer eine Safari verlassen. Beides waere unehrlich.
Goennen wir lieber dem Hotelbesitzer und dem Kellner seinen Verdienst und sorgen wir so auch dafuer, dass wir beide ohne Durchfall und ausgeschlafen Antworten auf unsere Fragen im stressigen Chaos Kumasis oder Accras suchen koennen- damit ist hoffentlich allen am meisten geholfen.

Im Hotelzimmer

...duschen wir den Staub ab, der sich vom Wind und den vorrueberfahrenden Autos aufgewirbelt auf unserer Haut festgesetzt und unsere Haare verklebt hat. Aus der Leitung kommt kaltes, klares Wasser und der erfrischende geruch des Shampoos loest nicht nur den Staub aus den Haaren sondern auch den auf Dauer Uebelkeit erregenden Gestank von Abgasen, brennendem Plastik und in der tropischen Sonne liegendem Fisch aus der Nase.Erschoepft von der Hitze und den Eindruecken des Tages legen wir uns unter das Moskitonetz. Dreck und Armut bleiben draussen aber das Bild davon bleibt in unseren Koepfen. Die Menschen in Ghana sind nicht die Aermsten dieser Welt. Wir sahen in Accra und Kumasi bisher nicht mehr Bettler und obdachlose Frauen als in der Hamburger Innenstadt. Die Leute sind schlicht aber stets ordentlich gekleidet. Gern moechten wir gemeinsam mit den Wahlplakaten der Parteien, den vielen Beitraegen in den Zeitungen und im Fernsehen verkuenden, dass es vorran geht mit Ghana und dass es den Menschen hier nicht schlecht geht. An vielen Stellen werden wir dies auch tun, aber dennoch steht an diesem Abend vor meinen Augen dieses Bild: Auf unseren Erkundungen der Stadt ueberqueren wir auf einer Fussgaengerbruecke den ehemaligen Bahnhof von Kumasi. Die alte bahnstrecke scheint die Stadt in zwei Teile zu gliedern. Auf der einen Seite werden ueberwiegend Haushaltswaren und Autozubehoer am Strassenrand angeboten, auf der anderen Seite sind es fast ausschliesslich Obst, Gemuese, Fleisch und Fisch. Auf der der einen Seite sieht man hin und wieder weisse Touristen, auf jener, auf der wir jetzt gerade stehen, nicht. Wir gehen durch die geschaeftige Menge und suchen einen Weg entlang der vielbefahrenen Strasse inmitten einer Menschenmasse, die sich zwischen aufgetuermten Lebensmitteln und den rufenden Marktfrauen hindurch schiebt. Uns scheint, als waeren die Kleider der Menschen hier an manchen Stellen schmutzig, als wiesen sie sichtlich mehr Loecher auf und als waeren die Blicke, die uns treffen...anders- vielleicht erstaunter, vielleicht neugieriger. Der Geruch von Urin, Abfaellen, Abgasen , Fleisch und Fisch ist beissend. Der Boden ist zum Teil schlammig. Wir sind auf dieser Seite Kumasis fehl am Platze! Denn was wollen wir? Hier unsere Einkaeufe machen? Nein. Das Elend betrachten? Nein. Almosen verteilen? Nein. Also bahnen wir uns unseren Weg durch die Menge, steigen ueber die alten Bahngleise und siond nach ener viertel Stunde auch schon wieder auf der anderen, auf der Seite Kumasis, die wir mit irgendwie leichterem Gewissen irgendwie betrachten. Es war sicherlich nicht das groesste Elend Ghanas, was wir da so kurz zu Gesicht bekommen und trotzdem bleibt mir dieses Bild, erinnert mich daran,dass nicht alles immer bunt und schoen, entspannt und froehlich ist. Und es ruft Fragen hervor. Fragen nach der Angemessenheit von Reisen durch aermere Regionen der Welt, an den eigenen Anspruch, den beiderseitigen Nutzen und an die eigenen Verantwortung, die sich vielleicht schon allein daraus ergibt, dass wir wohl genaehrt im weichen Bett liegen und andere Menschen heute wie jede Nacht mit dem geruch von Abgasen und brennendem Plastik in der Nase einschlafen muessen.